Zeitungsartikel

Für die Authentica 2016

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Ein Artikel im General Anzeiger

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Ein Artikel in der AargauerZeitung

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Marianne Wolleb aus Lupfig webt aus Leidenschaft – vor allem Herrentrachtengilets und Trachtenschürzen.
Eine aufwendige Arbeit: «Ich wende rund 20 bis 25 Stunden fürs Einfädeln auf», erklärt die gelernte Schneiderin.
Ihre Namen sind «Blacky», «Lilly», «Charlotte» und «Hebeli» und sie sind im ganzen Haus von Marianne Wolleb verteilt.

Es sind Webstühle, die Namen gehören den früheren Besitzerinnen und Besitzern. Insgesamt sieben Webstühle besitzt die begeisterte Weberin. «Ausser im Wohn- und Essbereich, da stelle ich keinen Webstuhl auf», sagt Marianne Wolleb.

Drei bis vier Webstühle sind stets für die Trachtenstoffe eingerichtet, ein Webstuhl für die Herrengilets.

Das hat seinen Grund: Organisation und Vorarbeit sind nebst dem konzentrierten Weben die Hauptarbeit. «Ich wende rund 20 bis 25 Stunden fürs Einfädeln auf», erklärt die gelernte Schneiderin. Das heisst, für einen Trachtenschürzenstoff fädelt sie auf einer Breite von einem Meter Seidengarnfäden ein.

In der Tracht gekleidet, frönt sie ihrem Hobby: Tanzen. Marianne Wolleb ist Mitglied der Trachtengruppe Schinznach-Dorf. Ausserdem arbeitete sie bislang im Kantonalvorstand des Aargauischen Trachtenverbandes in der Trachtenberatungskommission mit. «Dieses Amt gebe ich allerdings an der nächsten Generalversammlung ab. Ich habe mit meinen Webarbeiten genügend zu tun.»

1,80 Meter breites Ungetüm

Sie steht neben «Blacky», 1,80 Meter breit, es ist ihr grösster Webstuhl. Für den Laien wirkt das Ganze wie ein Ungetüm aus Holz.

Klar, dass dieses nicht einfach weggeräumt werden kann. Sie setzt sich hin, schaut auf ihr ausgedrucktes Blatt, das über ihr am Holzgestänge hängt und schüttelt den Kopf.

«Diese gepunktete Linie gefällt mir nicht, die muss weg.» Etwa 30 Zentimeter der Schürze hat sie gewoben, schwarze und orange-rote Linien wechseln sich ab. «Ich finde, die gepunktete Linie passt da nicht rein.»

Mittels speziellem Computerprogramm designt sie jeweils die Schürzen und Gilets vorgängig, um danach anhand des Musters weben zu können.

«Am anspruchsvollsten sind die Herrengilets mit den komplexen Mustern, nach einer bis zwei Stunden brauche ich jeweils eine Pause», sagt sie. Als reine Arbeit würde sie die Weberei dennoch nicht bezeichnen: «Für mich ist Weben meditativ. Es ist eine sehr schöne Beschäftigung», sagt sie. «Und jede Weberin hat ihre Handschrift.»

Angefangen hat alles mit ihrem ersten Webstuhl 1989. Eine Tante ihres Mannes hatte einen Webstuhl im Estrich stehen.

Marianne Wolleb konnte diesen übernehmen und ging danach in den Webkurs. Sie eignete sich das Weben in diversen Kursen an. Die Freude an den Trachten kam mit der Ausbildung zur Trachtenschneiderin. «Ich hatte das Glück, dass ich im ersten Webkurs auch gleich meinen kleineren Webstuhl mitnehmen und vor Ort mit der Kursleiterin aufbauen durfte. Ich wusste da noch nicht, wie das geht.»

Zusammen mit ihrer Schwester Esther Hubeli verkauft sie via Online-Shop «creativ-weben.ch» auch gewebte Küchentücher aus Baumwolle und Leinen, Tischläufer, Taschen oder Schals aus Merinowolle und Seide. Auch für die Schwester, gelernte Bäckerin-Konditorin, ist die kreative Arbeit ein Entspannungsritual.